Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, in die Apotheke zu gehen. Rezeptfreie Schmerzmittel können kurzfristig gute Dienste leisten – sie sind aber keine Bonbons. Wer ein paar einfache Grundsätze beachtet, nutzt sie wirksam und vermeidet die meisten Probleme. Dieser Ratgeber erklärt allgemein verständlich, worauf es bei der Anwendung ankommt, wie lange eine Selbstbehandlung sinnvoll ist und wann Sie besser ärztlichen Rat einholen. Konkrete Mengenangaben finden Sie hier bewusst nicht – diese stehen in der Packungsbeilage und klärt Ihre Apotheke individuell mit Ihnen.
Welche rezeptfreien Schmerzmittel gibt es?
Ohne Rezept erhältlich sind in der Schweiz vor allem zwei Gruppen von Wirkstoffen. Auf der einen Seite steht Paracetamol, das Schmerzen lindert und Fieber senkt. Auf der anderen Seite stehen die NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), zu denen Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Naproxen und Diclofenac gehören; sie wirken zusätzlich entzündungshemmend. Beide Gruppen können typische Alltagsbeschwerden wie Kopf-, Zahn-, Regel- oder leichte Rückenschmerzen abdecken. Welcher Wirkstoff im Einzelfall der geeignete ist, lässt sich aber nicht pauschal sagen.
Die wichtigsten Grundsätze der Anwendung
So unterschiedlich die Wirkstoffe sind, die Grundregeln der sicheren Anwendung ähneln sich. Der wichtigste Leitsatz lautet: so wenig wie möglich, so kurz wie nötig. Wer Beschwerden früh und gezielt behandelt, kommt meist mit wenig aus.
- Lesen Sie vor der ersten Einnahme die Packungsbeilage – dort stehen Dosierung, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen.
- Nehmen Sie in der Regel nur ein Schmerzmittel zur selben Zeit und niemals zwei Präparate mit demselben Wirkstoff.
- Schlucken Sie Tabletten mit ausreichend Wasser; NSAR verträgt der Magen oft besser zu oder nach einer Mahlzeit.
- Bei Vorerkrankungen, Dauermedikation, Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern vor der Einnahme fachlich beraten lassen.
- Bleiben Sie unsicher, gilt immer: lieber einmal zu viel in der Apotheke nachfragen als einmal zu wenig.
Ob ein Mittel überhaupt rezeptfrei abgegeben werden darf, entscheidet seine Abgabekategorie. Wie die Schweizer Kategorien zusammenhängen und welche Rolle die Apotheke dabei spielt, lesen Sie im Apotheken-Ratgeber.
Wie lange darf man selbst behandeln?
Die Selbstmedikation ist für kurze, klar erkennbare Beschwerden gedacht. Als allgemein anerkannter Richtwert gilt: Nehmen Sie rezeptfreie Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei bis vier Tage gegen Schmerzen und nicht länger als etwa drei Tage gegen Fieber ein. Halten die Beschwerden darüber hinaus an, werden stärker oder kehren immer wieder, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt – nicht einfach länger überdeckt.
Wenn Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen machen
Ausgerechnet zu häufige Einnahme kann sich rächen. Werden Schmerz- oder Migränemittel über Wochen an zu vielen Tagen genommen, kann daraus ein eigenständiger Dauerkopfschmerz entstehen – der Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch. Als Faustregel empfehlen Fachgesellschaften, Schmerzmittel an höchstens rund zehn Tagen pro Monat einzusetzen. Betroffen sind schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung. Wer regelmässig zu Schmerzmitteln greift, sollte das ärztlich besprechen, statt die Dosis in Eigenregie zu erhöhen. Anders als etwa bei einer Antibiotika-Kur, die man vollständig zu Ende führt, gilt bei Schmerzmitteln nicht «je konsequenter, desto besser», sondern «so kurz wie möglich».
Risiken, Wechselwirkungen und Vorsicht
Auch rezeptfreie Wirkstoffe haben Grenzen. NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac können Magen und Darm reizen und bei längerem Gebrauch oder in höherem Alter das Risiko für Blutungen und Geschwüre erhöhen; ausserdem belasten sie Nieren und Herz-Kreislauf-System. Menschen mit Magenproblemen, Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Herzschwäche oder Asthma sollten NSAR nur nach Rücksprache verwenden. Paracetamol ist meist gut verträglich, kann die Leber aber bei Überdosierung ernsthaft schädigen – Vorsicht ist besonders bei regelmässigem Alkoholkonsum geboten. Acetylsalicylsäure gehört bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Virusinfekten wegen des seltenen, aber gefährlichen Reye-Syndroms nicht in die Selbstbehandlung.
Eine unterschätzte Falle ist die versteckte Doppeldosierung: Viele Erkältungs-Kombipräparate enthalten bereits einen Schmerzwirkstoff wie Paracetamol. Wer zusätzlich ein separates Schmerzmittel nimmt, überschreitet unbemerkt die sichere Menge. Prüfen Sie deshalb immer die Wirkstoffe auf der Packung – oder lassen Sie es in der Apotheke prüfen.
| Merkmal | Paracetamol | NSAR (z. B. Ibuprofen) |
|---|---|---|
| Wirkung | Schmerz- und fiebersenkend | Schmerz-, fiebersenkend und entzündungshemmend |
| Besondere Vorsicht bei | Lebererkrankung, Alkohol, weiteren Paracetamol-Kombipräparaten | Magen-Darm-Problemen, Nieren, Bluthochdruck, Herzschwäche, Asthma |
| Beispiel-Wirkstoffe | Paracetamol | Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Naproxen, Diclofenac |
Wann zur Ärztin, zum Arzt?
Selbstbehandlung hat klare Grenzen. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:
- plötzliche, sehr heftige Schmerzen oder «der schlimmste Kopfschmerz des Lebens»;
- Schmerzen nach einem Unfall, Sturz oder Schlag auf den Kopf;
- Fieber, das mehrere Tage anhält oder sehr hoch ist;
- Schmerzen zusammen mit Nackensteife, Hautausschlag, Verwirrtheit, Lähmungen oder Sehstörungen;
- Brustschmerzen oder Schmerzen, die in Arm oder Kiefer ausstrahlen;
- Beschwerden, die sich nach wenigen Tagen nicht bessern oder ständig wiederkehren;
- Bedarf an Schmerzmitteln an vielen Tagen im Monat.
Besondere Zurückhaltung gilt bei Schwangeren und Stillenden, bei kleinen Kindern sowie bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Dauermedikation. In all diesen Fällen ist die Frage nicht «welches Mittel», sondern «erst beraten lassen». Im Zweifel ist die Apotheke die schnellste erste Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Welche rezeptfreien Schmerzmittel gibt es in der Schweiz?
Rezeptfrei erhältlich sind vor allem Paracetamol sowie die entzündungshemmenden NSAR wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Naproxen oder Diclofenac. Welcher Wirkstoff zu Ihnen passt, hängt von Beschwerde, Alter und Vorerkrankungen ab. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.
Wie viel Schmerzmittel darf ich einnehmen?
Konkrete Mengen nennen wir bewusst nicht. Halten Sie sich immer an die Packungsbeilage und an die Empfehlung Ihrer Apotheke oder Ärztin beziehungsweise Ihres Arztes. Die geeignete Menge hängt von Wirkstoff, Alter und Gesundheitszustand ab.
Wie lange darf ich rezeptfreie Schmerzmittel nehmen?
Als Richtwert sollten rezeptfreie Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei bis vier Tage gegen Schmerzen und nicht länger als etwa drei Tage gegen Fieber eingenommen werden. Halten die Beschwerden an oder kehren sie zurück, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären.
Kann man von Schmerzmitteln selbst Kopfschmerzen bekommen?
Ja. Werden Schmerzmittel zu häufig eingenommen, können sie einen Dauerkopfschmerz auslösen, den sogenannten Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch. Als Faustregel gilt, Schmerzmittel an höchstens etwa zehn Tagen pro Monat einzunehmen. Bei häufigem Bedarf ärztlichen Rat suchen.
Darf ich zwei Schmerzmittel gleichzeitig kombinieren?
Nicht ohne fachlichen Rat. Es besteht die Gefahr einer Doppeldosierung, weil auch Erkältungs-Kombipräparate oft schon einen Schmerzwirkstoff wie Paracetamol enthalten. Fragen Sie vor dem Kombinieren in der Apotheke nach.
Sind rezeptfreie Schmerzmittel in Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt?
Nur nach Rücksprache. NSAR wie Ibuprofen sollten besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft gemieden werden. Nehmen Sie in Schwangerschaft und Stillzeit kein Schmerzmittel ohne vorherige Beratung durch Apotheke, Ärztin oder Arzt ein.
Quellen
- Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut – Publikumsinformationen zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG) – Informationen zum sicheren Umgang mit Medikamenten.
- pharmaSuisse, Schweizerischer Apothekerverband – Grundsätze der Selbstmedikation und Beratung.
- World Health Organization (WHO) – Headache disorders, Fact sheet (u. a. Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch).
- Diener HC, Holle D, Solbach K, Gaul C. Medication-overuse headache: risk factors, pathophysiology and management. Nat Rev Neurol. 2016;12(10):575–583. doi:10.1038/nrneurol.2016.124.
- Bhala N, Emberson J, Merhi A, et al. Vascular and upper gastrointestinal effects of non-steroidal anti-inflammatory drugs: meta-analyses of individual participant data from randomised trials. Lancet. 2013;382(9894):769–779. doi:10.1016/S0140-6736(13)60900-9.